Bekannte Fütterungsmythen

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80% der täglichen Ration sollte Heu ausmachen

Ausgehend von einer reinen Heuaufnahmemenge von 65-70g Heu pro Kg Körpergewicht ergibt sich bei einer Standardwutz von einem Kilogramm eine Menge von 65g-70g Heu am Tag.

Davon ausgehend würde die Frischfuttermenge bei 80% Heu und 20% Frischfutter
16 bis 17,5g am Tag entsprechend.

Diese Menge ist für einen Frischköstler, was Meerschweinchen nun einmal bekanntlich sind, eine Farce und reicht bei weitem nicht um den Bedarf an Flüssigkeit und Nährstoffen zu decken.

Rechnet man das nun anders herum, nämlich von ener guten Menge Frischfutter aus (400g pro Kg) kommt man auf eine unmögliche Menge von 1.600g Heu die ein Meerschweinchen am Tag fressen müsste.

Daher kann man diese „Regel“ getrost als nicht sinnvoll beziehungsweise unmöglich bezeichnen.

Kohl ist böse

Kaum ein Futtermittel hat einen so schlechten Ruf wie Kohl.
Er würde Durchfall und Blähungen auslösen, sei überhaupt super gefährlich.

Doch in Wirklichkeit löst er rein gar nichts aus, sondern ist ein struktur- und nährstoffreiches Frischfutter.

In einigen Fällen können Halter nach der Gabe von Kohl oder anderem Frischfutter Verdauungsprobleme beobachten, doch Schuld hat hier nicht das Frischfutter, sondern einzig und allein der Mensch.

Sobald die Verdauung durch artwidriges Futter (oder Antibiotika) angegriffen wird, kann sie nicht mehr richtig funktionieren.
Sind die Schäden größer, treten eben halt solche Probleme auf.

Die Schuld einem Frischfuttermittel zuzuschieben ist zwar einfacher und wird oft praktiziert, jedoch trifft es hierbei einen Unschuldigen und dem Tier wird damit auch nicht geholfen.

Es ist sinnvoller die Ursache abzustellen wie beispielsweise die Gabe von Pellets als Futter, die Verdauung wieder aufzubauen und den Problemen so effektiv Herr zu werden.

 

Salat ist schlecht

Salat gilt allgemein als nährstoffarmes, nitratreiches , Durchfall und Blähungen auslösendes Futtermittel.

Dies ist ziemlich pauschalisiert.

Zunächst einmal muss man zwischen den typischen Sommersalaten (Eisbergsalat, Kopfsalat ect.) und den typischen Wintersalaten (Endivien, Chicoree, Radicchio usw.) unterscheiden.

Erstere haben tatsächlich weniger Nährstoffe und vor allem weiger sekundäre Pflanzenstoffe als die Wintersalate, weswegen sie für die Meerschweinchen auch nicht so sonderlich sinnig als Futter sind. Jedoch sind sie in geringen Mengen vollkommen in Ordnung.

Der Gehalt von Nitrat bei Treibhaussalaten ist sehr viel höher als bei Freilandsalaten, weswegen der einfache Verzicht von Sommersalaten im Winter das Problem schon löst. Nitrat selbst ist auch vollkommen ungefährlich. Erst das im Körper daraus verstoffwechselte Nitrit kann in großen Mengen auf Dauer Probleme bereiten.

Daher einfach ganz normal saisonal füttern und darauf verzichten den Meerschweinchen den ganzen Winter über nur Kopfsalat zu geben 🙂

Pellets/Industriefutter sind wichtig

Pellets/ anderes Industriefutter sind wichtig sagt der Verkäufer/“Züchter“/Tierarzt/ langjähriger Halter seit 19XX !

Auch heute noch wird von manchen angeblich sich bewanderten Menschen auf dem Gebiet der Meerschweinchenernährung das Märchen von dem ahc so wichtigen Industriefutter verbreitet.
Nur das wäre man sicher, dass alle Vitamine und Mineralien wirklich ausreichend aufgenommen werden und überhaupt wären sie voll gesund. Sonst würde es ja nicht verkauft werden heißt es.

Der Witz daran ist, dass die Meerschweinchen ihre gesamte Ernährungsphysiologie so umbauen müsste, sodass sie das genaue Gegenteil der Aktuellen wäre und dies in einem Zeitraum von höchsten 50-60 Jahren (länger ist ein solches Industriefutter für die breite Masse noch gar nicht enhältlich).
Dies ist schlicht unmöglich, da eine solch massive Änderung locker 10.000 Jahre dauern würde und in der Zwischenzeit müssten die Tiere unter den Folgen leiden.

Daher ist es eine Farce es als gesund zu bezeichnen.

Vergleiche Ernährungsphysiologie und Trockenfutter

In Winteraußenhaltung sind Pellets unabdingbar

Nein, das stimmt nicht.
Sie brauchen zwar eine leicht veränderte Zusammensetzung des Futters, aber kein artwidriges Futtermittel (siehe vorherigen Mythos).
Im Vergleich zu Innentieren empfiehlt es sich mehr blättrigen Kohl zu geben, da dieser der Kälte besser trotzt als Salat. Für zusätzliche Energie kann man den Anteil des Wurzel- und Knollengemüses leicht erhöhen, wobei es dennoch nur ein Beifutetr bleiben sollte. Reicht die Eerngie nicht, empfiehlt es sich Ölsaaten zu füttern. Die nächste Stufe wäre es die Ölsaaten mit Mehlsaaten wie Hirse zu mischen.
Der letzte Schritt, bei wirklich großer Kälte von um die minus 20C° oder weniger, wäre Getreide im Spelz oder als Flocken in geringen! Mengen, jedoch aufgrund des hohen Glutengehaltes kein Weizen oder Roggen.

→ Vergleiche Ernährungsphysiologie, Trockenfutter und Saaten

Fütterungsmythos: Brot

Noch immer hält sich hartnäckig, dass hartes Brot oder Brötchen wichtig für den Zahnabrieb sein.
Jedoch stimmt dies nicht.
Man kan Brot solange trocknen wie man will um es hart zu bekommen, die Zähne bleiben immer härter. Sie sind so hart, dass sie nur von einander durch Mahlbewegungen beim Fressen oder vom Tierarzt mit dem Schleifgrät abgenutzt werden können, zumal Brot schnell eigespeichelt so und wieder weich wird.
Desweiteren ist Brot eine sehr engeriehaltiges, strukturarmes Produkt, das dafür sorgt, dass Meerschwienchen schnell satt werden und wneiger fressen. Dadurch gibt es weniger Mahlbewegugen und folgich weniger Abrieb.
Zudem sind die Zutaten aus denen Brot gemacht wird alles andere als gesund:
Mehl aus Getreide (meist nur sehr schlecht verträgliches Weizen oder Roggen), Gewürze, Backtriebmittel und weitere Zutäze von denen man nicht immer wissen will was da noch so drinnen ist. Die Kombination greift das Darmmileu an und macht es langsam aber sicher kaputt.
→ Vergleiche Grundlagen der Ernährung